Entwicklung und Anwendung von ökonometrischen Testverfahren zur Koordinationsmängeldiagnose
Auf Märkten kann es aufgrund einer mangelhaften Abstimmung des Verhaltens von Nachfragern und Anbietern zu Koordinationsmängeln kommen, die sich z.B. in dauerhaften Überkapazitäten oder Fortschrittsrückständen äußern. Solche Mängel lassen sich mit Hilfe des Koordinationsmängel-Diagnosekonzepts (KMD-Konzept) identifizieren und im Wege vom Parallelgruppentests, Zwillingsmarktvergleichen oder Periodenvergleichen auf fehlerhaft gestaltete wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen zurückführen. Das KMD-Konzept behandelt Marktprozesse als Regelkreise, die aufgrund einer negativen Rückkopplung bestimmte Sollwerte stabilisieren. Wie groß diese einschlägigen Rückkopplungsparameter sind, konnte bisher nicht gemessen werden, sondern musste aus dem Bild der Zeitreihen der Regelgrößen erschlossen werden. Im Rahmen der Dissertation wird nun ein Verfahren entwickelt, das eine direkte Messung der Rückkopplungsparameter mit Hilfe ökonometrischer Methoden gestattet. Anschließend erfolgt die Einbettung in ein Gesamt-Testverfahren zur Beurteilung der Selbstregulierungsqualität eines Marktprozesses. Wie gut diese Verfahren arbeiteten, wird in simulierten Marktprozessen getestet. Außerdem wird das Verfahren auf drei reale Beispielmärkte angewandt.
Bedeutung im Forschungsgebiet
Das entwickelte Testverfahren erleichtert die Entdeckung und Beseitigung von Koordinationsmängeln. So kann zum Beispiel ein Markscreening auf versteckte Kartelle* verbessert werden, was für die Wettbewerbspolitik bedeutsam ist. Außerdem lassen sich wirtschaftspolitische Maßnahmen (z.B. Deregulierungs- oder Privatisierungsmaßnahmen) und kontroverse industriepolitische Hypothesen besser überprüfen.
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*Blanckenburg, K.v. and Geist, A.: “How can a Cartel be detected?”, in: International Advances in Economic Research, (forthcoming, November 2009).
