November 24th, 2012 K v B Posted in Info | Kommentare deaktiviert

Die Blanckenburgs tauchen schon im Gefolge Lothars III (Lothar von Supplinburg Kaiser Lothar von Sachsen, 1125-1137) auf. Sie waren als Dienstmannen (Ministeriale) in Lothars engerem Herrschaftsberecih eingesetzt werden “standesrechtlich deutlich von dem am gleichen Ort sitzenden Grafengeschlecht unterschieden” (Jordan S.125).

Der Enkel Lothars, Heinrich der Löwe, hatte in der Führungsschicht der Minesterialen u.a. die Blanckenburgs, die an Ansehen und Wohlstand sogar gelegentlich edelfreie Geschlechter übertrafen. Der bekannteste von ihnen war Jordan I, der 1161 erstmals bezeugt ist. Im Jahre 1162 war er bereits “dapifer” (Truchseß); damit oblag ihm die oberste Leitung der herzöglichen Hofhaltung bei Heinrich dem Löwen. Jordan hielt diesem auch nach seinem Sturz (1180) die Treue; er hatte sein Amt noch unter Heinrich des Löwen Sohn, Pfalzgraf Heinrich, inne.

Er war wichtigster Berater des Herzogs und sein ständiger Reisebegleiter. So begleitete Jordan, zusammen mit seinem Bruder Jusarius, den Herzog auf seiner Pilgerfahrt nach Jerusalem 1172. Berichtet wird, daß Heinrich der Löwe bei seiner Fahrt auf der Donau Schiffbruch erlitt und Jordan sich schwimmend ans Land rettet.

Ein Chronist nennt ihn einen reichen Mann. Als er 1190 in Kriegsgefangenschaft geriet, betrug das für ihn bezahlte Lösegeld 500 Mark Silber, während das Lösegeld für den Grafen Schwerin nur 300 Mark betrug.

War Heinrich dem Löwen Überheblichkeit nicht fremd, so kann man das gleiche von Jordan sagen. Als Barbarossa sich 1176 am Comer See mit Heinrich dem Löwen traf, dieser ihm die Waffenhilfe verweigerte und die Stadt Goslar forderte, tat Barbarossa vor Heinrich dem Löwen ein Fussfall. Dieser hob Barbarossa nicht auf, und Jordan sagte:

“Lasst Herr, die Krone des Reiches zu euren Füßen liegen, eines Tages wird sie auf euer Haupt kommen.”

Im Jahre 1182 ging Jordan mit Heinrich dem Löwen in die Verbannung nach England und blieb die ganze Zeit mit ihm dort. Wie der Göttinger Historiker Percy Erst Schramm Mitgliedern unserer Familie gegenüber öfter erwähnte, lässt sich Jordans Spur in England anhand einer Vielzahl zu Lasten der herzöglichen Hofhaltung ausgestellten Rechnungen für den Bezug von Getränken verfolgen.

Eine Aufklärung dieses Verhältnisses ist schwierig, zumal beide Familien in Blankenburg/Harz bezeugt werden. So heisst es bei Leuckfeld:

“Es sind aber diese Graffen von Blanckenburg wohl zu unterscheiden von denen Edelleuten dieses Nahmens, welche gleichfalls sich von Blanckenburg geschrieben, und in ihrem alten Adelichen Geschlechte noch florieren sollen; ob diese Edeleute ihren ersten Ursprung von denen Blanckenburgischen Grafen hergenommen, auch auff den alten Ritter-Sitze in Lütchen-Blanckenburg, so bey. Halberstadt an dem Schloße Hartingau vormahls gelegen, und die Gegend davon noch das Lütche Blnnt wird, residiret haben, wäre genauer zu untersuchen, zum wenigsten hat dieser ihr geführtes Geschlechtswappen nicht die geringste Gleichheit mit dem Gräflichen, den dieses besteht aus einem schwartzen einfachen Hirsch- Geweihe, in einem silbern Felde, jenes aber, hat in dem Schilde einen auffsteigenden Steinbock, und auff dem Helme, einen in die Brust beissenden Pelican. Und wird insonderheit von dieser Adelichen Familie in denen alten Zeiten gedacht Anno von Blanckenburg welcher Anno 1197 und 1203 als ein Hoffs Cavallier sich bey Hertzog Heinrichen von Sachsen und Pfaltz-Grafen beym Rhein, Herrn Heinrich des Löwen Sohne auffgehalten hat. Und noch zuvor nemlich 1173. Jordanus und Cunemannus von Blanckenburg, welche als Hoff-Cavalliers von Käyser Friedrichen I. in seinem dem Closter Michelstein in Franckfurth gegebenen Privilegio angeführt werden. 1243. Balduin von Blanckenburg, anderer vorietzo zu geschweigen, die sonst in mehrerer Anzahl angeführet werden könnten.”

Feststeht, dass Kaiser Lothar im Harzgebiet neue Grafenschaften errichtet hat und die Herren von Blanckenburg als seine Untergrafen in einem Teil des großen Harzgaues eingesetzt hat. Man könnte daher vermuten, dass ein Teil der Familie in den Grafenstand erhoben wurde, während der andere im Dienstmannenstatus verblieb. Während das gräfliche Wappen ein Hirschgeweih zeigte, soll Jordanus einen steigenden Hirsch, bedeckt mit einer mit Zackenmuster versehenen Turnierdekce, gehabt haben (Seyler).

Ungeklärt bleibt, woher das jetzige Familienwappen mit Bock und Pelikan kommt, das schon 1708 von Leuchfeldt beschrieben wird. Zu vermuten ist, dass die von Blanckenburgs, vielleicht nach ihrer Übersiedlung nach Pommern, ein neues Wappen erhalten haben.

Im genealogischen Handbuch des Adels (Gotha) wird als erster pommerscher Blanckenburg Anselmus de Blanckenburg 1269 urkundlich erwähnt, und zwar in einer Urkunde der Kollegialkirche in Stettin.

Anselmus besaß in Pyritz (ca.50 km von Stettin entfernt) um 1250 einen Hof. Ob es sich um friedliche Landwirtschaft gehandelt hat, die er dort trieb, ist zweifelhaft; denn in der Gegend hielt sich noch lange die Sage vom Raubritter Blanckenburg:

In Pyritz erhält sich die Sage, daß ein Raubritter Blanckenburg, der ein festes Schloß zu Zarnow gehabt haben soll, wovon die Ruinen noch sichtbar sind, sein Wesen in der Umgegend und der Pyritzer Stadtheide getrieben, und man zeigt in der Satdtheide noch eine grabenartige Vertiefung, die man Blanckenburgs Graben nennt, der mit dem Zarnower See in Verbindung gestanden haben soll.

Der Herzog Wratislaw sowie der Magistrat der Stadt versprachen demjenigen, welcher den Raubritter lebens oder tot dem Gerichte überliefere, mit besonderen Rechten und Wohltaten zu belohnen.

Ein Böttcher aus Pyritz traf mit dem Raubritter zusammen und warf demselben mit seinem Böttcherbeil so hart vor die Stirn, daß er tot zur Erde fiel. Der Böttcher erwirkte eine Urkunde, nach welcher die Böttcher auf ewige Zeiten ihre Bandstöcke aus der Stadtheide unentgeltlich holen und aus dem sogenannten Hausholz ihren Anteil aussuchen dürfen, um es als Stabholz nutzen zu können… (Pommersche Zeitung)

Anselmus soll (Berghaus) in jungen Jahren aus seiner Stammheimat am Harz nach Pommern eingewandert sein und dort seit 1243 urkundlich erscheinen. 1257 soll ihn dort sein Bruder Jordanus, Domherr in Hildesheim, besucht haben; dieser erscheint in diesem Jahr in einer Urkunde des Bischofs Hermann von Kamin, ist aber 1260 bereits wieder in Hildesheim zu finden. Es muß sich hier um Jordan II. handeln; denn Jordan I. ist bereits 1221 verstorben.

Als Pyritz 1263 Stadtrechte erhalten hatte und aufzublühen begann, verkauften Anselms Erben, Thidemannus, Johannes und Baldewin, den Hof an das Kloster. Der im Jahre 1279 getätigte Kauf wird von Herzog Bogislaw IV urkundlich bestätigt. Die Erben zogn in das eine Meile westlich von Pyritz gelegene Groß Zarnow (Pommersche Zeitung). Der Grund für den Verkauf mag (Zitat Berghaus) in der Aufhebung der herzoglichen Burg gelegen haben, infolge derer die Burglehen der ehemalign Burgmannen zwecklos geworden waren.

Nach anderen Quellen (Genealogisches Tagebuch 1903) besaß die Familie ein “gleichnamiges Stammhaus” im Kreis Prenzlau; ihr erstes urkundliches Erscheinen mit Anselm de Blankenborch wird auf 1253 datiert.

Die Blanckenburgs haben sich frühzeitig in drei Stämme geteilt; wir gehören zu Stamm B, als deren Urvater Richard um 1450 im Genealogischen Tagebuch erwähnt wird. Ausgehend von der Genealogie des Stammes C (s. unten) müssten die drei Stämme sich um 1420- 1430 gebildet haben; jedenfalls hat der gemeinsame Grossvater von Jürgen (Stamm B) und Hans (Stamm C) um diese Zeit gelebt.

Die Vorfahren waren Gutsbesitzer oder – teils auch daneben – Geistliche oder Kirchenbedienstete, z B.

- Johannes I. als Praepositus ecclesiae, Canonicus in Cammin 1263

- Johannes II. Laurentius, 1432 Canonicus in Cammin, 1446 Scholasticus

- Heinrich als bischhöflicher Schloßhauptmann 1492 in Körlin

- Henning Anselm als Prälat des Domstifts Cammin 1750.
Stamm A

Er beginnt mit “Alter Hasso” in Moitzelin. Familiendaten sind seit Dinnies (1543 bis 1579) teilweise überliefert. Der Stamm tritt in zwei Linien auf, von denen die erste (poln.-schlesische) Mitte des 19. Jh erloschen ist. Die zweite (pommersch/thüringische) Linie führt mit Werner Venz (1880) nach Hamburg.

Stamm B

Er hat folgende Stammreihe:

Richard, um 1450, Herr auf Rogzow, Leppin, Blauentin, Petershagen und Moitzelfitz

Jürgen, 1471, Herr auf Petershagen, Schlenzig und Blauentin

Ewald, 1551, gest. 1564, Herr auf Petershagen, Schlenzig und Blauentin

Ewald, 1565, 1572, 1605, Herr auf Petershagen

Tessen, 1632, gest. 1649, Herr auf Schlenzig

Henning Anselm, 1655, gest. vor Mai 1693, verh. Mit Eva Magarete von Podewils; 1694 Wwe.

Georg Heinrich, 1687 – vor 1738, Herr auf Petershagen, Moitzelfitz und Schlenzig

Von da an teilt sich die Familie in drei Linien der Söhne Heinrichs:

I.Linie:

Georg Heinrich II. (1717 . 1779); Mitte des 19. Jh. Erloschen

II. Linie:

Henning Anselm (1720 – ca. 1775), Herr auf Rogzow und Leppin, Prälat von Cammin, Kgl. Preuß. Lt. a.D., verh. m. …von Blanckenburg (?);

Henning Dionys Ludwig (1764 – 1813), Herr auf Zimmerhausen, Cardemin, Leppin, Rogzow und Polzin, Kgl. Preuß Lt. a.D., verh. m. 1. Friederike von Zastrow,2. 1801 m. Johanne Christiane

Wilhelmine von Mellin. Sohn 1. Ehe:

Eduard Georg Anselm (1789 – 1872), Herr auf Zimmerhausen und Cardemin, verh. m. Johanne Wilhelmine von Franckenberg.

Sohn:

Henning Karl Moritz (1815 – 1888), Herr auf Zimmerhausen und Cardemin, Kgl. Preuß. WGRat und Gen.- Landschaftsdirektor usw.

III. Linie:

Peter Ludwig (1728 – 1798); im 19. Jh. Erloschen.

Stamm C

Er beginnt mit Hans, 1471, Herr auf Karkow, etter von Jürgen (1471, s. Stamm B). Die Familie saß zunächst auf Karkow (bis ca. 1804), dann auf Strachmin, das (lt. Berghaus) Venz Wilhelm von Blanckenburg 1794 erworben hatte. Dieser erwarb 1805 Strippow hinzu. In 2. Ehe heiratete er 1810 Modeste von Kameke. Sein Enkel Gustav (1838 – 1908) heiratete 1866 Eugenie von Arnim

Quelle: Anselm von Blanckenburg, Zur Familiengeschichte der Familie von Blanckenburg

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